Evaluation, die wirkt: Was wir aus WOL Healthcare lernen können

Wir führen neue Formate ein, entwickeln Mitarbeitende weiter und investieren Zeit in Veränderung. Aber woher wissen wir eigentlich, ob das, was wir tun, auch wirklich etwas bewirkt?

Genau hier setzt Evaluation an. Sie macht Entwicklungen sichtbar, überprüft Annahmen und schafft eine Grundlage dafür, Angebote gezielt weiterzuentwickeln. Dabei geht es nicht darum, am Ende möglichst viele positive Zahlen präsentieren zu können. Gute Evaluation darf auch zeigen, dass sich etwas nicht verändert hat. Denn auch das ist eine Erkenntnis.

Wie wertvoll dieser Blick sein kann, zeigt die wissenschaftliche Evaluation von Working Out Loud Healthcare (WOL Healthcare).

Von der Annahme zur Evidenz

In Organisationen entstehen viele Entscheidungen aus Erfahrung. Das ist wichtig und wertvoll. Gleichzeitig lohnt es sich, Annahmen immer wieder mit Daten abzugleichen.

Evaluation bedeutet deshalb auch, von der Eminenz zur Evidenz zu kommen: Nicht allein die Einschätzung einzelner Personen entscheidet darüber, ob eine Maßnahme erfolgreich ist. Daten und empirische Erkenntnisse helfen dabei, Aussagen zu überprüfen, Wirkungen besser zu verstehen und Angebote auf dieser Grundlage weiterzuentwickeln.

Das gilt besonders für Formate, deren Wirkung nicht unmittelbar in Kennzahlen wie Umsatz oder Produktivität sichtbar wird. Wie lässt sich beispielsweise feststellen, ob Menschen sich nach einer Entwicklungsmaßnahme selbstbestimmter fühlen? Ob sie ihren eigenen Einfluss stärker wahrnehmen? Oder ob innerhalb eines Teams ein sichereres Umfeld für Fragen, Fehler und neue Ideen entstanden ist?

Genau solche Fragen standen bei der Evaluation von WOL Healthcare im Mittelpunkt.

Was ist WOL Healthcare?

Working Out Loud basiert auf fünf Grundprinzipien: zielgerichtetes Entdecken, Beziehungen aufbauen, Großzügigkeit zeigen, die eigene Arbeit sichtbar machen und wachstumsorientiert denken.

WOL Healthcare überträgt diesen Ansatz gezielt auf das Gesundheits- und Sozialwesen. Über zehn Wochen arbeiten die Teilnehmenden an einem individuellen Ziel. Sie treffen sich wöchentlich in kleinen, heterogen zusammengesetzten Circles mit drei bis vier Personen, arbeiten mit Circle Guides und reflektieren anhand konkreter Übungen allein und gemeinsam. Ergänzt wird das Peer-Learning durch Workshops in der größeren Gruppe.

Spannend für eine Evaluation ist nun die Frage: Was verändert sich dadurch tatsächlich?

Wirkung auf zwei Ebenen betrachten

Die wissenschaftliche Evaluation betrachtet die Wirkung von WOL Healthcare auf zwei Ebenen: auf der individuellen Ebene des Menschen und auf der Ebene des Teams. Im Zentrum stehen dabei zwei Konzepte: psychologisches Empowerment und psychologische Sicherheit.

1. Psychologisches Empowerment: Erlebe ich mich als wirksam?

Psychologisches Empowerment beschreibt, wie Menschen ihre eigene Rolle und ihre Handlungsmöglichkeiten bei der Arbeit erleben. Dabei werden vier Dimensionen unterschieden:

Selbstbestimmung: Wie autonom kann ich meine Arbeit gestalten?

Kompetenzerleben: Vertraue ich darauf, Aufgaben mit meinen Fähigkeiten und Ressourcen bewältigen zu können?

Einfluss: Habe ich das Gefühl, mit meiner Arbeit tatsächlich etwas bewirken zu können?

Sinnhaftigkeit: Erlebe ich meine Arbeit als bedeutsam und erkenne ich ihren Wert?

Die Prinzipien von Working Out Loud lassen sich mit diesen Dimensionen verbinden. Wer beispielsweise gezielt Beziehungen aufbaut, erweitert nicht nur sein Netzwerk. Beziehungen können dabei helfen, Ideen einzubringen, Projekte voranzutreiben und den eigenen Einfluss zu erhöhen. Gleichzeitig kann die bewusste Gestaltung von Beziehungen dazu beitragen, Arbeit als bedeutungsvoller wahrzunehmen.

Auch das zielgerichtete Entdecken spielt eine Rolle. Wer aktiv Herausforderungen und Entwicklungsmöglichkeiten sucht, schafft sich neue Lerngelegenheiten und kann dadurch Selbstbestimmung und Kompetenzerleben stärken.

2. Psychologische Sicherheit: Wie sicher fühle ich mich im Team?

Die zweite Ebene betrifft nicht den einzelnen Menschen, sondern das soziale Umfeld.

Psychologische Sicherheit beschreibt die gemeinsame Überzeugung eines Teams, dass zwischenmenschliche Risiken möglich sind, ohne dafür bestraft oder ignoriert zu werden. Konkret bedeutet das: Menschen können Fragen stellen, Fehler ansprechen, Ideen äußern oder Bedenken teilen.

Auch hier zeigen sich Verbindungen zu den WOL-Prinzipien. Beziehungen aufzubauen, Wissen zu teilen und die eigene Arbeit sichtbar zu machen, kann ein Umfeld fördern, in dem Offenheit normaler wird. Gleichzeitig ist psychologische Sicherheit keine reine Aufgabe der Mitarbeitenden. Entscheidend ist auch, wie insbesondere Führungskräfte auf Ideen, Fragen oder Fehler reagieren. Eine konstruktive Reaktion kann Sicherheit schaffen und andere dazu ermutigen, sich ebenfalls einzubringen.

Und was sagt die Evaluation?

Für die Evaluation wurden Daten aus mehreren WOL-Durchgängen in drei Unternehmen der Gesundheits- und Sozialwirtschaft aus den Jahren 2023 bis 2025 betrachtet. Je nach Auswertung lagen Daten von 25 bis 46 Personen vor.

Beim psychologischen Empowerment zeigen die Daten vor allem beim wahrgenommenen Einfluss eine deutliche Veränderung. Der dargestellte Mittelwert steigt von 3,8 vor dem WOL-Durchgang auf 5,7 danach. Auch bei Selbstbestimmung, Kompetenzerleben und Sinnhaftigkeit liegen die Werte nach dem Durchgang höher, wobei nicht alle Veränderungen statistisch signifikant ausfallen.

Auch auf Teamebene zeigt sich eine Veränderung: Der dargestellte Wert für psychologische Sicherheit steigt von 4,9 vor dem WOL-Durchgang auf 5,4 danach.

Die Ergebnisse liefern damit Hinweise darauf, dass WOL Healthcare sowohl auf individueller als auch auf Teamebene Wirkung entfalten kann.

Mindestens genauso interessant wie die Zahlen selbst ist allerdings, was wir aus ihrer Interpretation lernen können.

Evaluation bedeutet nicht: Alles muss besser werden

Ein besonders wichtiges Learning aus der Evaluation ist zunächst erstaunlich simpel: Auch keine Veränderung ist ein Ergebnis.

So blieb beispielsweise die allgemeine Selbstwirksamkeit in der Evaluation stabil. Das macht die Evaluation nicht weniger erfolgreich. Im Gegenteil: Auch ein stabiler Wert liefert eine Information darüber, was ein Format verändert und was möglicherweise nicht.

Genau darin liegt ein wesentlicher Wert von Evaluation. Sie soll nicht beweisen, dass eine Maßnahme erfolgreich war. Sie soll helfen, ihre tatsächliche Wirkung besser zu verstehen.

Das bedeutet auch, Ergebnisse auszuhalten, die nicht der ursprünglichen Erwartung entsprechen.

Nicht alles, was zählt, lässt sich vollständig in Zahlen ausdrücken

Gleichzeitig darf Evaluation den Menschen hinter den Daten nicht aus dem Blick verlieren.

Die Evaluation von WOL Healthcare formuliert deshalb ein weiteres wichtiges Learning: Subjektiver Mehrwert ist ebenfalls Mehrwert.

Quantitative Daten können Entwicklungen sichtbar und vergleichbar machen. Sie erzählen aber nicht automatisch die ganze Geschichte. Wie erleben Teilnehmende ein Format? Welche Begegnungen waren für sie wichtig? Was nehmen sie für ihren Arbeitsalltag mit?

Gerade bei Lern-, Kultur- und Entwicklungsformaten lohnt es sich deshalb, Wirkung nicht ausschließlich auf einzelne Kennzahlen zu reduzieren.

Evaluation als Grundlage für Weiterentwicklung

Am Ende beantwortet eine gute Evaluation deshalb nicht nur die Frage:

„Hat es funktioniert?“

Sie eröffnet weitere Fragen:

Was genau hat sich verändert? Für wen hat sich etwas verändert? Wo sehen wir keine Veränderung? Welche Rahmenbedingungen haben dazu beigetragen? Und was können wir daraus für den nächsten Durchgang lernen?

Die Evaluation von WOL Healthcare zeigt beispielsweise auch, dass ein solches Format grundsätzlich in einem zeitlich stark belasteten Arbeitskontext wie dem Gesundheitswesen umsetzbar ist. Gleichzeitig braucht es dafür die entsprechenden organisationalen Voraussetzungen: WOL muss innerhalb der Organisation nicht nur möglich sein, sondern auch gewollt werden.

Damit wird Evaluation zu mehr als einem abschließenden Erfolgscheck. Sie wird Teil eines Lernprozesses.

Fazit: Wirkung sichtbar machen, um besser weiterzumachen

Evaluation schafft Klarheit. Sie kann bestätigen, was bereits vermutet wurde. Sie kann Überraschendes sichtbar machen. Und manchmal zeigt sie eben auch, dass etwas stabil geblieben ist.

Genau darin liegt ihre Stärke.

Am Beispiel von WOL Healthcare wird sichtbar, wie sich ein Entwicklungsformat wissenschaftlich auf unterschiedlichen Ebenen betrachten lässt: von Selbstbestimmung, Kompetenzerleben, Einfluss und Sinnhaftigkeit auf individueller Ebene bis hin zur psychologischen Sicherheit im Team.

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis geht deshalb über WOL Healthcare hinaus: Wer wissen möchte, ob eine Maßnahme wirklich etwas bewirkt, sollte nicht nur fragen, wie sie angekommen ist. Sondern genauer hinschauen, was sich tatsächlich verändert hat.

Denn Evaluation ist nicht das Ende einer Maßnahme. Im besten Fall ist sie der Ausgangspunkt dafür, die nächste noch besser zu machen.